Mittwoch, 12. September 2012

Die Leiden eines Betreuers Teil 3 Berlin bei Tag, eine Nacht gab es nicht



Der Betreuer und der Schlaf, können ja mal gute Freunde gewesen sein. Je länger der Betreuer Betreuer ist, umso mehr entfernt er sich von seinem Freund und schon bald kennt man sich nur noch flüchtig und hat nicht mehr viel miteinander zu tun.
Einen Höhepunkt dieser Entwicklung war dann auch der Dienstag der sich zwei Stunden früher als die anderen Tage ins Zelt schlich und einem den Schlafsack vom kalten Leib zerrte. Aber gut, wer nach Berlin und dort dann auch was von der Stadt haben möchte, sollte schon die Zeit nutzen die einem da gegeben wird.
Dusche, Frühstück und die dahinschlurfende Jugend mit einem Lächeln begrüßen, alle in den Bus stopfen und aus dem Fenster gucken. Den Stau ignorieren und dann endlich vor dem Reichstag stehen der unser erstes Ziel war und auch gleich der kulturelle Höhepunkt.
Von draußen sah er dann auch aus wie man ihn kennt und von drinnen ebenso wie man ihn sich vorstellt. Moderne Kunst und sehr hohe Türen auf dem stillen Ort, konnten einen dann schon mal beschäftigen und dann gab es ja auch noch eine Führung, die uns erklären sollte, warum hier was wie ist und wer das so wollte. Die Führung war dann auch auf Englisch und ich wohl immer noch ein wenig müde, weswegen ich jetzt nicht den genauen Wortlaut von dem guten Herren wiedergeben kann. Ich weiß nur, ich fand es gut und der Reichstag hat mehr zu erzählen als man so weiß, auch wenn ich diese Meinung nicht mit allen Geführten teile. Wo wir uns aber alle sicher sind: „Der Typ sieht aus wie ein Schauspieler.“
Auf dem Dach wo das Gewächshaus ohne Blumen steht, war es dann auch noch mal schön, weil ein toller Ausblick und so.
Der nächste Höhepunkt waren dann Kaninchen auf einer Wiese.  Echt jetzt, die sind da alle hin und haben die geknipst.
Der Rest von Berlin gehört zu den typischen Abläufen die eine junge Reisegruppe eben hinter sich bringt wenn man denn mal in der Hauptstadt ist. Shopping. Also alle versammeln, Zeit und Ort ausmachen und dann geht jeder seiner Wege. Früher wäre ja mein Weg der des Shoppenden gewesen und ich hätte mich in einer Welt von Tand und Naschwerk verloren. Da ich aber keine 16 mehr bin und nun auf der anderen Seite der Aufsichtspflicht stehe ging ich mit den anderen Betreuern (also denen ohne drang zum Einkaufen) und wir machten das was Betreuer machen, wenn keiner guckt. Ich muss zugeben es war schon einen neue Erfahrung und damit habe ich auch wieder eines der großen Mysterien meines Lebens entschlüsselt. Aber das will ja dann doch keiner lesen.
Nachdem wir das erste Shopping hinter uns hatten, ging es auch gleich weiter zum Zweiten und das Spiel begann von vorne. Der Betreuerstab ging jetzt selber auch auf Shoppingtour und das nur wegen mir. Wollte ich doch noch ein Souvenir für jemanden mit nach Hause bringen und schon schleppte sich die ganze Bande durch die Shops der Stadt. In Berlin wird man dann auch irgendwann mal fündig und nicht viel später, fanden wir uns schon im Bus auf dem Weg zurück ins Camp. Müde und um einen Hauptstadtbesuch reicher gab es dann noch Ratespiele im Bus und einen Typen der alle mit seiner Kamera nervte.

Dienstag, 4. September 2012

Die Leiden eines Betreuers Teil 2 Bagger gucken fetzt (drauf stehen ist was anderes)


Den Alltag lassen wir jetzt einfach mal unberichtet und kommen gleich zum Höhepunkt, der seinen Namen dann auch verdient hat. Obwohl ein Teil der Truppe sich schon auf der Fahrt zu den Baggern in Ferropolis im Schlafen übte waren die Augen dann doch wieder offen, um sich die stählernen Ungetüme aus der Nähe zu betrachten. Die Eisendrachen interessierte das zwar wenig und wenn man die so sah, wirkten sie auch wie eine Gruppe von Typen die einfach nur wo rumlungern, aber bei der Größe, war das dann schon cool.
Da neben dem Gucken auch informieren auf dem Programm stand, wurden die Campteilnehmer  in zwei handliche Gruppen geteilt und über das Gelände geführt. Ich für meinen Teil verzog mich unter dem Vorwand der journalistischen Fotografie und erkundete das Areal erst mal durch das Auge der Kamera.
Da die übergroßen Kohlearbeiter immer brav still hielten, hatte ich auch bald genug Bilder gesammelt und schlich mich dann wieder in eine der Gruppen ein, um doch noch die nötigen Informationen für ein späteres Fachgespräch über große Bagger zu sammeln. Das fühlte sich dann auch an wie es sollte und man trotte der gutgelaunten jungen Dame hinterher die nicht müde wurde uns dieses Kulturerbe näher zu bringen. So weit so gut, begab es sich dann aber bald so, dass uns der Weg vom eigentlichen ebenerdigen Pfad abkommen ließ und wir uns auf einem der rostigen Rentner wiederfanden. Die folgenden 10 Minuten, waren geprägt von den Gedanken „Nicht nach unten gucken“, „Festkrallen wo es nur geht“ und „Leise winseln ist ok, weinen nicht“. Natürlich ist so ein Ausblick immer was Tolles und gerade für den Fotografen in mir eine super Gelegenheit, aber was mich doch am meisten begeisterte, war die Tatsache, dass ich nicht in Panik ausgebrochen bin.
Wieder runter vom dem großen Ding, ging es dann auch gleich weiter zum nächsten Highlight und der war dann nicht viel mehr als ein Spielplatz der von der Jugend in Beschlag genommen wurde. Sehr schön.
Die Führung ging dann aber auch weiter, nicht ohne Protest versteht sich und wir konnten uns noch ein wenig in dem Museum umschauen, welches dann auch schweigend hingenommen wurde. Zumindest die untere Etage. Das obere Stockwerk hatte neben der Brücke der ältesten Enterprise dann noch ein Skelett von einem Waldelefanten zu bieten der hier wohl mal gewohnt haben muss. Der hatte mit einem Elefanten dann aber nicht mehr viel gemein und wirkte eher wie die Reste einer Dinosaurier-Grillparty .
Auf der Rückfahrt, gab es dann noch mal ein Nickerchen für alle die wollten und als Überraschung noch eine kleine Fahrt zum Bitterfelder Bogen. Auch schön, nur hatte ich mich schon genug gegen meine Höhenangst aufgelehnt und verzichtete einfach mal auf den Aufstieg. Man muss ja nix provozieren.
Lagerfeuer und gute Laune, haben den Abend dann auch sehr zeitig ausklingen lassen. Denn die Nacht sollte keine lange Nacht werden.

Sonntag, 2. September 2012

Die Leiden eines Betreuers Teil 1 Ankommen und beachen


Es ist Samstag, noch gar nicht so spät und ich bin da. Ich bin da, bleibe für eine Woche und habe noch keine Ahnung was mich eigentlich erwartet.
Da ist das Goitzsche Camp und ganz genau das internationale Jugendcamp, das sich dieses Jahr in Deutschland stattfinden lässt und mich als Betreuer und Workshop -Leiter bei sich hat.
Polen, Russland, Frankreich, Italien und Deutschland versammeln sich für eine Woche um nicht nur das Camp-Leben sondern auch die Völkerverständigung am eigenen Leib zu erleben und nebenbei auch noch Kunst zu erschaffen. Ein Vorhaben, das sich noch gar nicht so groß anfühlen will und mich damit in einer Sicherheit wiegt, die ich schon bald nicht mehr so verspüren werde wie ich es gerne hätte. Aber wir sind ja noch bei Samstag und da waren ankommen, begrüßen und beschnuppern angesagt. Die Grüppchen orientierten sich nach den Muttersprachen und nur einige alte Bekanntschaften, konnten einen Eindruck davon vermitteln, was eine Woche Zusammenleben aus Fremden machen kann.
Vom Abend mit Begrüßung und Applaus will ich hier mal nicht erzählen, ich denke das wäre nur eine Variation des bekannten Protokolls und muss nicht extra besprochen werden.
Ich komme dann mal gleich zum Sonntag. Der ließ sich, wie auch alle anderen Tage, sehr früh begrüßen und in mir Zweifel an meiner körperlichen Konstitution und einer Woche im Zelt aufkommen. Der Körper durch viele kleine Wehwehchen omnipräsent, guckte ich mir den frühmorgendlichen Badegang auch nur aus der Entfernung an und übte mich in Respekt für Diejenigen die sich zu einer Zeit, die noch keine zwei Ziffern braucht, im Wasser tummelten.
Frühstück gab es dann auch bald und so geplant wie gefühlt plötzlich ging es auch schon los mit der Routine und den täglichen Workshops und der Erkenntnis, dass eine sprachliche Barriere nur eingerissen werden kann, wenn man sich auch traut mit den Worten zu werfen die auf der anderen Seite ankommen sollen. Englisch, Deutsch und eher verwirrende Gesten konnten aber dafür sorgen, dass jeder seine Aufgaben erfasste und wir uns auch ganz locker an diese machen konnten. Und das war nicht anderes als Beobachten, die Fortschritte wahrnehmen um sie dann später für den Rest der Welt auf Papier zu bannen. Nebenbei den Fotografen in sich entfesseln um dem Ganzen noch eine optische Seite zu verpassen. Dass man dabei auch spazieren gehen und das Wetter genießen kann, wirkt nur dann gemein, wenn man weiß, dass der Großteil der jugendlichen Teilnehmer sich auf einer Baustelle daran machte, einem Kunstwerk den Untergrund zu bereiten.
Der Rest des Tages, war dann auch dem Wetter gewidmet und der Erfahrung, dass Volleyball keine Vokabeln braucht.

Freitag, 13. April 2012

Das Wetter war gut heute, meine Wohnung ist sauber und satt bin ich auch. Ich kann jetzt die Beine hoch legen und mich einfach mal liegen lassen, das Problem bei der Sache: es ist Freitag abend und mit putzen war ich schon heute Mittag fertig.

Ein LiveBlog

Es ist gegen 20:00 Uhr und ich hab auch schon bei facebook bescheid gesagt, dass ich mit meiner Freizeit und mir überfordert bin und zwei Leuten gefällt dass auch schon. Gegessen hab ich und wenn ich jetzt noch weiter mache mit putzen, würde man es wohl renovieren nennen. Auf dem Bildschirm läuft Eureka und das hab ich jetzt schon zu oft gesehen, als dass ich da noch ernsthaft hingucken würde. Ein Plan muss her. Ich habe mir heute eine neue Nasendusche gekauft, weil die alte noch in Leipzig liegt. Neben dem überraschend hohen Preis ( nicht nur da, auch die Geflügelfrikadellen und schon vor einiger Zeit, die kleinen Dosen mit den Mandarinen, sind teurer geworden und die haben trotzdem noch gelbe Preisschilder, gehts noch) ist mir die rau aufgefallen, die unheimlich fröhlich wirkte, als sie sich ihre Nase mit Salzwasser ausspühlte. Fünf Minuten später, steh ich im Bad und habe zweifel an der Richtigkeit dieser Darstellung. Wenigstens ist meine Nase jetzt wieder frei.

20:32 Uhr 9Gag.com hat nicht viel Neues. Sogar die Nerds haben heute was zu tun.

20:35 Uhr E-Mails checken und bei zwei neuen, weiß ich von einer schon nicht mehr, was sie wollte. War wohl Spam, die Andere war fast nicht für mich. Hab da was für Mutti im Netz bestellt und die haben das jetzt verschickt. Da hatten wir wohl einen kleinen Höhepunkt für diesen Abend.

20:41 Uhr mir gefällt jetzt Leipzig und Little Britain.

20: 42 Uhr ich habe Probleme mit der Kekspackung.

20: 43 Uhr ich esse Kekse.

20:45 Uhr ich habe keks gegoogelt. Ein Bild was mir gefallen hat, lässt sich nicht kopieren. Das find ich doof, aber auch gut irgendwie. Mit jedem Keks den ich esse, fühle ich meinen Bauch wachsen.

20:51 Uhr meine Kekse sind alle, ich fühle mich fett und ich habe auf einen Kommentar meiner Statusmeldung geantwortet. Yeah Man it`s Friday Night.

20:52 Uhr ich habe "Scheißdreck" bei facebook geschrieben. Ich voll der Rebell.

20:55 Uhr ich fange an Stifte zu sortieren.

21:04 Uhr und ich krieg zuviel. Da will ich die Stifte in meinem Schreibtisch sortieren, damit ich nicht mehr nach einem Schreibgerät greife, dass dann nicht funktioniert und jetzt sind fast alle Kulis in Ordnung. Was soll denn das. Wer spielt da mit mir?

21:16 Uhr und ich habe schon seit 12 Minuten nix mehr hier rein geschrieben. Das soll aber auch nicht heißen, dass es hier jetzt spannend geworden ist. Ich verliere eher mein Bewusstsein, glaub ich mal. Ich hab auch vergessen, was ich gleich machen wollte.

21:26 Uhr und ich halte mich für Stromverschwendung. Ich denke daran, im Dunkeln zu sitzen und ins Nichts zu starren. Mich und die Leere zu verbinden und in meinen Gedanken eine dunklere Farbe als schwarz zu finden. Ich würde sie Sören nennen.

21:31 Uhr und die Wäsche wird auch nicht trocken. Das ist nicht cool.

21:42 Uhr Andy der Roboter hat die Situation gerettet. Das ist doch schön und ich freue mich auf die nächste Folge Eureka. Nebenbei denke ich noch, dass ich eine Erkältung bekomme. Das würde mich jetzt mal richtig anbrechen und auf anbrechen hab ich keine Lust.

Es ist 21:51 Uhr und ich entscheide mich für Bett. Ganz freiwllig ist das nicht, aber die äußeren und inneren Umstände zwingen mich dazu. Es ist einfach nix los und mein Körper hat das gemerkt, nur dem Geist muss ich noch ausreden, dass es Freitag abend ist.